Der Mutterpass
Man bekommt ihn meist ein paar Tage nach Feststellung der Schwangerschaft, wenn die notwendigen Ergebnisse der Blutuntersuchungen aus dem Labor zurück sind und im Mutterpass eingetragen werden können.
Doch was genau steht in so einem Mutterpass und welche Bedeutungen haben die ganzen Abkürzungen und die einzelnen Untersuchungen? Für jede werdende Mutter ist es etwas sehr aufregendes zum ersten Mal diesen heißbegehrten Pass in der Hand zu halten, so auch damals bei mir. Doch bis ich über alles ganz genau bescheid wusste musste viel recherchiert und hinterfragt werden.
Auf Seite 1 des Mutterpasses findet man zunächst die verschiedenen Stempel des eigenen Gynäkologen, der behandelnden Klinik und der mitbetreuenden Hebamme. Weiter unten ist genügend Platz um die folgenden Untersuchungstermine einzutragen, damit man alles auf einen Blick hat und kein Termin versehentlich vergessen wird.
Die Seiten 2 und 3 beinhalten die persönlichen Daten der Schwangeren (Name, Geburtstag, Anschrift) sowie die Blutergebnisse der serologischen Untersuchungen.
Hier werden zum einen die Blutgruppe der Schwangeren eingetragen, sowie die Ergebnisse folgender Untersuchungen:
Antikörper-Suchtest: hier wird untersucht ob sich im Blut der Mutter Blutgruppen-Antigene gebildet haben. Ein negatives Testergebnis ist der Normalfall. Bei Rhesus negativen Müttern wird um die 28.-30. Schwangerschaftswoche eine Anti-D-Prophylaxe verabreicht, sofern auch bis dahin das Testergebnis negativ ausfällt.
Röteln-HAH-Test: Der Röteln-Titer sollte bei einer Schwangeren zu Beginn der Schwangerschaft bei mindestens 16 liegen, oder auch höher, um eine Immunität gegen Röteln anzunehmen. Sollte der Titer niedriger sein oder gar negativ ist äußerste Vorsicht geboten, da eine Rötelninfektion gerade zu Beginn der Schwangerschaft dramatische Folgen für das Ungeborene haben kann.
Nachweis von Chlamydia trachomatis-Antigen: kann entweder aus dem Zervix oder aus dem Spontanharn ermittelt werden. Sollten Chlamydien im Test festgestellt werden sollte dies dringend behandelt werden. Chlamydien sind zum einen die häufigste Ursache für Frühgeburten, auch kann sich das Baby bei der Geburt anstecken und an einer Lungen- oder Augenentzündung erkranken.
LSR durchgeführt: Hierbei handelt es sich um die Geschlechtskrankheit Syphillis. Genauso wie bei der HIV Untersuchung werden hier allerdings nur die Durchführung des Test bestätigt nicht aber das Ergebnis genannt. Sollte hierbei ein positiver Befund sein, wird dies Euer Arzt mit euch besprechen.
Nachweis von HBs-Antigen aus dem Serum: Hierbei handelt es sich um die Untersuchung des Blutes auf Hepatitis B, welche kurz vor dem errechneten Geburtstermin vorgenommen wird. Sollte der Test positiv sein, so erhält das Neugeborene direkt nach der Geburt einen Impfstoff um eine Infektion zu vermeiden.
Auf Seite 4 werden Angaben zu vorausgegangenen Schwangerschaften gemacht sowie deren Ausgang. Wie wurde entbunden? Spontan, per Kaiserschnitt? Kam es zu einer Fehlgeburt oder einer Abtreibung? War eventuell eine Eileiterschwangerschaft vorhanden.
Bei Besonderheiten können weitere Untersuchungen wie zum Beispiel eine Amniozentese (Fruchtwasserpunktion) oder einer Chorionzottenbiopsie, sowie ein gewünschter Triple-Test oder eine Toxoplasmoseuntersuchung eingetragen werden.
Auf den Seiten 5 und 6 werden unteranderem Alter, Gewicht vor Schwangerschaftsbeginn, Größe, Anzahl der Schwangerschaft und Geburten eingetragen sowie verschiedene Risiken und besondere Befunde im Laufe der Schwangerschaft dokumentiert. Desweiteren wird hier die Terminbestimmung für den vorraussichtlichen Entbindungstermin notiert.
Die Seiten 7 und 8 umfassen das Gravidogramm. Hier werden neben den Aufzeichnungen jeder einzelnen Vorsorgeuntersuchung der zweite Antikörper-Suchtest, Untersuchung auf Hepatitis B, die Anti-D-Prophylaxe sowie die Vorstellung in der Entbindungsklinik eingetragen.
Auf Seite 9 werden Besonderheiten zu den katalogen A und B (der Seiten 5 und 6) notiert. Hierzu kann zum Beispiel ein Blutzuckerbelastungstest gehören und die Feststellung eines Gestationsdiabetes. Außerdem werden hier stationäre Behandlungen während der Schwangerschaft dokumentiert sowie CTG (Cardiotokographische) Befunde eingetragen. CTGs werden in der Regel 14tägig ab der 32. Woche durchgeführt.
Auf den Seiten 10 und 11 wird auf die drei vorgeschriebenen und von den Krankenkassen übernommenen Ultraschall-Screenings eingegangen. Diese Screenings werden zwischen der 9.-12. SSW (1. Screening), der 19.-22. SSW (2. Screening) und der 29.-32. SSW (3. Screening) durchgeführt. Zu den jeweiligen Besonderheiten der einzelnen Screenings werden wir auf Grund des Umfangs in einem gesonderten Beitrag eingehen. Hier aber schon mal die wichtigsten Abkürzngen aus der Biometrie:
- FS: Fruchtsackdurchmesser
- SSL: Scheitelsteißlänge
- BPD: Querdurchmesser des kindlichen Kopfes
- FOD/KU: Längendurchmesser des Kopfes / Kopfumfang
- ATD: Querdurchmesser des Bauches
- APD /AU: Durchmesser des Bauches von vorne nach hinten / Bauchumpfang
- FL / HL: Länge Oberschenkelknochen / Länge Oberarmknochen
Während auf Seite 12 Ultraschall-Kontrolluntersuchungen eingetragen werden, findet Ihr auf Seite 13 die Normkurven für den fetalen Wachstumsverlauf. Hier trägt der Arzt bei den jeweiligen Ultraschalluntersuchungen die Ergebnise des Babys ein.
Auf Seite 14 werden weiterführende Ultraschall-Untersuchungen sowie Dopplersonographische Untersuchung dokumentiert und kommentiert. Hierbei handelt es sich um eine Ultraschalluntersuchung bei der die Geschwindigkeit des Blutes in den Gefäßen gemessen wird.
Die Abschluss-Untersuchung / Epikrise wird auf Seite 15 festgehalten. Hier werden nochmals die wichtigsten Punkte der Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett dokumentiert, bevor die frischgebackene Mutter mit Ihrem Neugeborenen aus der Entbindungsklinik entlassen wird.
Circa 6 – 8 Wochen nach der Entbindung wird nochmals eine Untersuchung bei der Mutter durchgeführt. Die Befunde und Besonderheiten dieser Untersuchung werden auf Seite 16 des Mutterpasses festgehalten.
Anschließend wiederholt sich der gesammte Inhalt des Mutterpasses für eine weitere Schwangerschaft.



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