Gefühlschaos
Wie ich schon erwähnt habe, hatten wir ja die letzten Tage Besuch vom Patenonkel meines Mannes. Da die zwei viele Jahre keinen Kontakt hatten, hab ich ihn jetzt erst kennen gelernt – wir haben uns auf Anhieb gut verstanden. Natürlich haben wir uns die letzten Tage schön gemacht, uns viel unterhalten, Pläne für die Zukunft gesponnen und tolle Sachen unternommen. Gestern zum Beispiel haben wir eine Schiffstour über das Zwischenahnermeer gemacht, Ejoy hatte viel Spaß und uns hat es auch gefallen. Es hatte fast den Anschein eine 3-Generationen-Familie: Vater mit Sohn und Schwiegertochter und den beiden Enkelkindern…
Doch so schön die letzten Tage in dieser familiären Atmosphäre auch waren, so traurig stimmen sie mich jetzt im Nachhinein. Ich habe mir vorgestellt wie es gewesen wäre, wenn MEIN Papa gestern bei dem Ausflug dabei gewesen wäre, es wäre ein Tag genau nach seinem Geschmack gewesen… am Wasser, Bootchen fahren, ein bisschen die Gegend erkunden… doch dafür ist es zu spät!
Nie werden meine Kinder die Erfahrung machen von ihrem Opa auf eine kleine Schiffstour eingeladen zu werden, nie werden sie gemeinsam mit ihrem Opa Ausflüge machen, nie werden sie spontan mit ihrem Opa ein Wochenende auf einem Campingplatz an der Nordsee verbringen, wie wir es für dieses Wochenende mit Kallieys Patenonkel geplant haben… Nie werden sie die Liebe ihres Opas spüren, der sie sich doch so sehr gewünscht hat und nur darauf gewartet hat endlich Enkelkinder zu haben um mit ihnen die Welt zu entdecken und sie zu verwöhnen.
Zwar haben die Kids jetzt eine Bezugsperson, die gut ihr Opa sein könnte und der sie mit Sicherheit genauso verwöhnt und verhätschelt, sich um sie kümmert als wären es seine eigenen Enkel – doch es ist eben nicht der Opa mit dem sie das alles erleben werden. Und das schlimmste an der Sache ist für mich, dass ich genau weiß, wenn mein Papa noch leben würde, dann würden sie genau diese Momente, die für uns alle so schön sind, eben mit ihrem Opa verbringen, da er sich genau das gewünscht hat, wenn er von seinen Enkeln geträumt hat.



Am seidenen Faden
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Ich kann dich da total verstehen. Wenn Menschen uns verlassen, kommen immer solche Fragen und Gedanken auf. Letztlich müssen wir die Dinge so akzeptieren, wie sie sind und versuchen, das Beste draus zu machen. Ich bin auch so gut wie ohne Opa aufgewachsen und aus mir ist ja dennoch irgendwie etwas Brauchbares geworden
Ich bin mir sicher, dass es für mich viel schlimmer ist als für meine Kinder, sie kennen es ja nicht anders! Ich hingegen weiß, dass es anders sein könnte, wenn da nicht dieser scheiß Krebs gewesen wäre…