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Kaiserschnitt nach Einleitung

Geschrieben von Melanie am 2 Januar 2010 2 Kommentare

melanie leon 225x300 Kaiserschnitt nach EinleitungNachdem während meiner Schwangerschaft in der 35. Woche eine Oligohydramnie und zunächst ein Plazenta Grannum Grad 2, später dann Grad 3 festgestellt wurden, entschied man die Geburt meines Sohnes in der 39. Woche einzuleiten, da das Wohl meines Kindes in meinem Bauch nicht mehr gewährleistet war. So vereinbarrten wir direkt einen Termin in der Entbindungsklinik und der Marathon konnte losgehen.

Als ich um 08:00 Uhr im Krankenhaus und im Kreissaal ankam wurde ich zunächst nochmal für 30 Minuten ans CTG gehängt. Wehen wurden auch an diesem Morgen, wie auch schon in den Tagen zuvor nicht aufgezeichnet. Der Herzschlag meines Sohnes war sehr vorbildlich und auch ansonsten schien es ihm gut zu gehen. Anschließend wurde noch ein Ultraschall gemacht und ich wurde vaginal untersucht. Zwar war der Muttermund schon etwas weich, aber ansonsten hatte sich bei mir noch nichts getan.

Um 09:00 Uhr begann dann die Ärztin mit der Einleitung indem sie mir ein spezielles Wehengel vaginal vor den Muttermund legte und einmassierte. Vorab erklärte sie mir, dass dies ein wenig brennen könnte und viele Frauen es als unangenehm empfänden. Ich hingegen empfand das genaue Gegenteil, eher ein wohliges, warmes Gefühl find an sich in meinem Unterbauch breit zu machen. Da dies mein erstes Kind war und somit auch meine erste Geburt, und ich mich zudem noch vor dem errechneten Entbindungstermin befand, klärte mich die Ärztin darüber aus, dass es gerne mal 2-3 Tage dauern könne bis so eine Einleitung anschlägt und wir das Prozedere gegebenfalls am Nachmittag nochmals wiederholen werden.

Direkt im Anschluss an die Einleitung wurde erneut ein CTG gemacht um den aktuellen Stand zu prüfen und siehe da, es waren tatsächlich schon Wehen, zwar schwache aber dennoch regelmäßige, zu erkennen. Auch beim Abtasten des Muttermundes stellte die Hebamme fest, dass dieser bereits fingerdurchlässig sei. Dies schien ein gutes Zeichen dafür zu sein, dass das Gel wohl schon wirken würde und ich solle mich mal darauf einstellen, dass ich noch am selben Tag mein Kind zur Welt bringen könnte. Das nächste CTG wurde für 13:30 angesetzt.

In der Zwischenzeit bezog ich mein Zimmer auf der Wöchnerinnenstation und machte es mir nochmal für eine Weile im Bett gemütlich, da mir die Hebammen und Schwestern empfohlen haben mich noch so viel wie möglich vor der Geburt auszuruhen. Pünktlich zum Mittagessen um 12:00 Uhr wurde ich dann von einem sehr unangenehmen Ziehen im Unterbauch und im Rücken geweckt. Da dieser Schmerz auch enorm auf meinen Enddarm drückte konnte ich nicht sicher sagen ob es nun Wehen sind, oder ob ich vielleicht nur auf Toilette musste. Ich versuchte es zunächst mit einem Toilettengang, doch der blieb erfolglos. Also begab ich mich sicherheitshalber wieder in den Kreissaal, denn ich wollte ja schließlich nicht zu spät zu meiner ersten Geburt kommen.

Als ich dann um 13:00 Uhr erneut am CTG hing hatten wir Gewissheit, es waren tatsächlich Wehen. Die Abstände zwischen den einzelnen Wehen müssten allerdings noch um einiges kürzer werden und ich solle anfangen auf die Uhr zu schauen um die Wehenabstände zu messen. Auch am Muttermund hatte sich wieder ein klein wenig was getan, er war wieder etwas weiter geöffnet als beim letzten Abtasten. Gegen das Drücken auf meinen Enddarm bot mir die Hebamme einen Einlauf an, den ich aber erst mal ablehnte. Sie gab mir noch ein homeopathisches Mittelchen mit um mir die nächsten Stunden etwas angenehmer zu gestalten.

Nach einem kurzen Spaziergang im Park mit meinem Mann versuchte ich mich nochmal aufs Ohr zu hauen und ein wenig zu schlafen. Nach kurzer Zeit wurden meine Schmerzen allerdings so enorm, dass ich nicht mehr liegen konnte, nicht mehr sitzen, geschweigedenn stehen oder laufen. Ich schaute auf die Uhr um die Abstände zu messen und die Spitzen ließen sich ca. 2 Minuten Zeit. Aber auch die 2 Minuten zwischen den Schmerzspitzen waren schon enorm so dass ich mich wirklich kaum fortbewegen konnte. Somit rief ich eine Schwester die mich in den Kreissaal zurückbegleitete.

Gegen 14:00 Uhr hing ich also wieder am CTG, die Abstände der Wehen waren nun OK. Diesmal saß ich zum CTG auf einem Gymnastikball um mit dem Becken kreisen zu können in der Hoffnung, dass die sanften Bewegungen die Schmerzen etwas zurücknehmen. Doch leider half das bei mir gar nicht und mir blieb schon jetzt nichts mehr anderes übrig als die Wehen versuchen zu veratmen, ausatmen ohne dementsprechendes Stöhnen war während der Spitzen schon gar nicht mehr möglich. Mein Muttermund hatte sich in der Zwischenzeit auf 2cm geöffnet, was im Vergleich zu den Wehen noch nicht viel war und es würde sich wohl noch eine Weile hinziehen.

Während die Hebamme mein Bett aus meinem Zimmer holen ließ, da sie mich jetzt zur regelmäßigen Beobachtung im Kreissaal haben wollten durfte ich mich erst mal umziehen, die Schwestern brachten mir ein total sexy Engelshemdchen und ein Netzhöschen. Da ich absolut keine PDA wollte bot mir die Hebamme an ein Schmerzmittel zu spritzen, damit die Spitzen etwas erträglicher würden. Das machten wir dann auch.

Damit mein Kleiner in eine bessere Position rutschen konnte, er hatte sich nämlich mit dem Köpfchen über die Symphyse geschoben, stellte die Hebamme meine Bettlehne hoch, damit ich mich aufs Bett knien und mit dem Oberkörper über die Bettlehne stützen konnte. Meine Schmerzen waren zwischenzeitlich so unerträglich geworden, trotz Schmerzmittel, dass aus dem Stöhnen bereits eher ein Schreien wurde oder besser gesagt ein sehr lautes Muhes. Ich bat die Hebamme meinen Mann anzurufen, da ich jetzt nicht mehr allein sein wollte.

Auf die Frage meines Mannes wie lange es denn jetzt in etwa noch dauern würde bis das Kind dann endgültig kommt, da ich bereits ziemlich mit den Schmerzen zu kämpfen hatte, erklärte uns die Hebamme, dass sich das gerne mal noch 8-10 Stunden hinziehen könne, da sich mein Muttermund nur sehr langsam öffne. Wir entschieden uns dann gemeinsam doch für eine PDA, da ich wohl 10 Stunden unter solch starken Schmerzen nur schwer aushalten würde.

Um 16:00 Uhr kam eine Narkoseärztin zu mir und bereitete mich zusammen mit der Hebamme auf die PDA vor. Zunächst musste ich mich aufrecht hinsetzen und einen Katzenbuckel machen. Die Ärztin spritzte mir eine örtliche Betäubung an der Stelle wo sie die PDA setzen würde und desinfizierte meinen Rücken. Dank meines Hohlkreuzes war es für die Narkoseärztin leider nicht so einfach die richtige Einstichstelle zu finden, sie stoß immer wieder auf Knochen. Gleichzeitig spritzte mir die Hebamme bei jeder herankommenden Wehe einen Wehenblocker, da ich ganz still sitzen musste was unter Schmerzen nur sehr schwer möglich war. Nach geschlagenen 45 Minuten saß die PDA dann endlich und es konnte weiter gehen.

Gegen 18:00 Uhr musste die Narkoseärztin dann allerdings noch ein zweites Mal zu mir kommen, da sich schon nach kurzer Zeit rausstelltem dass die PDA nur einseitig wirkte. Diese einseitigen Schmerzen, vergleichbar mit den Schmerzen bei einem Blindarmdurchbruch waren fast noch unangenehmer wie die Schmerzen vorher. Daher zog die Ärztin den Schlauch wieder ein Stückchen raus, damit sich das Schmerzmittel besser verteilen und auf beiden Seiten am Knochen vorbeifließen konnte. Im selben Atemzug hängte mich die Hebamme an einen Wehentropf um die Geburt schneller voranzutreiben.

Um 19:00 Uhr war mein Muttermund beim Abtasten 4cm geöffnet, ich schaffte also ganze 2cm in 5 Stunden, was nicht gerade viel ist. Hinzu kam, dass seit dem letzten Besuch der Narkoseärztin die PDA gar nicht mehr wirkte und die Wehen durch den Wehentropf zu einem wirklich unerträglichen Schauspiel wurden. Es gab zwischen den Spitzen fast keinerlei Erholungsphasen mehr, die Wehen die auf dem CTG aufgezeichnet wurden befanden sich durchgehend oben und machten nur kurze und ganz kleine Schlenker nach unten, so dass ich aus dem Schreien schon gar nicht  mehr rauskam. Da im OP nebenan gerade ein Kaiserschnitt stattfand, waren auch alle Narkoseärzte der Station im Einsatz, so dass im Moment keine Zeit war um nochmals nach meiner PDA zu schauen. Die Hebamme tauschte dann den Wehentropf gegen einen Wehen hemmenden Tropf, doch auch dessen Wirkung ließ auf sich warten. Ich merkte zwar wieder kurze Erholungspausen zwischen den Wehenspitzen aber die Schmerzen wurden nicht geringer.

Gegen 21:00 kam dann endlich wieder ein Narkosearzt zu mir um mir die PDA komplett neu zu setzen. Doch auch er scheiterte an meinem Hohlkreutz. Nach wiederum geschlagene 45 Minuten holte dieser dann den Chefarzt der Narkose hinzu, der dann die PDA innerhalb von Sekunden plazierte.

Da die PDA nun endlich wirkte und mein Muttermund noch immer erst bei 6cm lag hängte die Hebamme mich um 22:00 uhr wieder an einen Wehentropf. Zwischenzeitlich war der Schleimpfropf abgegangen und die Fruchtblase geplatzt. Auf dem CTG war schön zu erkennen, dass die Wehen wieder mal keinerlei Pausen machten und sich kontinuirlich oben befanden. Doch nun konnt ich mich ein wenig entspannen, denn durch die PDA spürte ich keine Schmerzen mehr.

So vergingen die nächsten Stunden, ich völligst erschöpft von den letzten Stunden und mittlerweile nur noch in einer Art Trancezustans. Ich nahm wieder die knieende Position vom Nachmittag auf dem Bett ein und kreiste langsam mit dem Becken um meinen Kleinen noch tiefer ins Becken zu schieben. Die Hebamme schaute regelmäßig nach mir und dem Muttermund, der sich scheinbar ebenfalls eine Pause gönnte.

Mittlerweile war es 02:00 Uhr nachts. Seit 4 Stunden hatte sich bereits nichts mehr am Muttermund getan, er war bei 6cm stehen geblieben. Die Hebamme holte eine Ärztin dazu, da mein Kleiner nun auch nervös auf die Wehen reagierte und sein Herzschlag unregelmäßig wurde. Die Entscheidung der Ärztin stand schnell fest und auch wir waren damit einverstanden zum Wohle unseres Kindes: Kaiserschnitt auf Grund von Geburtsstillstand!

Die Hebamme und der Narkosearzt bereiteten mich nun auf den Kaiserschnitt vor und erklärten mir alles genaustens, während mein Mann sich für den OP umzog. Die PDA wurde hochgespritzt, so dass ich unterhalb der Brüste eigentlich gar nichts mehr spürte. Außerdem erhielt ich einen kleinen “Schnaps” zur Regulierung der Magensäure. Danach wurde ich auf den OP Tisch verlegt, meine Arme wurden rechts und links festgebunden und ich wurde mit OP-Tüchern abgehängt, dass ich zwar alles hören aber nichts mehr sehen konnte.

Die OP selbst konnte nun beginnen. Der Schnitt selbst fühlte sich irgendwie witzig an, so als on jemand mit einer Feder über den Unterbauch streichen würde. Danach ruckelte es heftigst am Tisch und ich hatte das Gefühl als würde man mir ein Vakuum aus dem Bauch ziehen. Im nächsten Moment glaubte ich die Ärzte würden sich mit ihrem kompletten Körpergewicht auf mich schmeißen, schon irgendwie merkwürdig. Dann wieder ein ruckeln, ein ziehen und dann ein “Schrei”! Es war 02:40 Uhr, endlich war er da unser kleiner Liebling und mir kamen wie wahrscheinlich jeder Mutter die Tränen vor Erleichterung und Freude. “Nun kleiner Ejoy, kannst du die Nabelschnurr aber loslassen!” hörte ich die Ärztin sagen. Sie zeigten uns den kleinen Mann kurz und dann wurde er auch schon gemeinsam mit meinem Mann de Kinderärzten übergeben. Während diese mein kind untersuchten machten sich die Ärzte an die Arbeit mich wieder zuzunähen. Um mich herum wurde es allerdings sehr plötzlich eisig kalt. Ich zitterte und frohr und mein Kreislauf war kurz davor komplett zu kollabieren. Das Zittern wurde so enorm, dass es schwierig wurde für die Ärzte mich zu nähen. Der Narkosearzt setzte mir eine Spritze nach der anderen um mich bei Bewusstsein zu halten. Mir wurde schlecht, ich hatte das gefühl mich übergeben zu müssen. Sie brachten mir meinen Kleinen Ejoy nochmals kurz bevor sie ihn auf die Säuglinsintensivstation verlegten.

Mittlerweile war es 04.00 Uhr als sie mich zur Stabilisierung und Beobachtung zurück in den Kreissaal schoben.

Fast 18 Stunden dauerte also meine erste Geburt (9 Stunden lang unter unerträglichen Schmerzen) die dann doch in einem Kaiserschnitt endete.






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2 Kommentare wurden bisher geschrieben.

  1. [...] undenkbar die Geburt eines Kindes zu planen und es einfach auf  Teufel komm raus zu holen. Nach der “traumatischen” Geburt meines Sohnes allerdings hat sich meine Meinung zum Thema etwas geändert, denn wenn alle [...]

  2. [...] an sich und machte einen mega zufriedenen Eindruck. Gestern allerdings war nicht der Tag seiner Geburt, sondern bereits sein 2. Geburtstag. Es ist wirklich erstaunlich wie schnell diese zwei Jahre [...]

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